Dreh mit Robert Grund

25. März 2015  |   |  Allgemein

Ein in Nordkorea lebender Berliner. In vierter Generation gehörlos.

Obwohl ich das „Guten Morgen“ sorgfältig geübt hatte, passiert es: Ich benutze statt des Zeigefingers den Mittelfinger und schon ist das falsch. Robert nimmt es gelassen und lächelt. Manches ist zum Glück auch ohne Worte zu verstehen… Heute wird bei „ART des Lebens“ auf vielen Ebenen kommuniziert – in Gebärdensprache, in Lautsprache, mit Mimik und Berührung, mit Stift und Papier und, nicht zuletzt, in Bild und Ton, denn nebenbei entsteht ein Film. Robert erzählt darin seine Geschichte:

DER TRAUM – EIN BILDUNGSZENTRUM FÜR GEHÖRLOSE KINDER

Dieser beginnt im Jahr 2000: Er ist 15 Jahre alt, neugierig und wird durch die Frage getrieben, ob es in Nordkorea wirklich keine gehörlosen Menschen gibt, wie behauptet wird. Erst bei seiner dritten Reise hat er Erfolg und findet einen Gehörlosen. Seit 2013 wohnt er nun vor Ort in Pjöngjang und kämpft für die Menschen in Nordkorea, die nicht hören können – genauso wie er.

Ein Bildungszentrum für gehörlose Kinder soll aufgebaut werden – das ist eine große Ehre. Fast täglich schreibt er Projektanträge dafür. „Wir wissen doch, dass Bildung der Schlüssel zum Leben ist“, so Robert. Aber woher soll er die 3 Millionen Euro dafür hernehmen? Robert geht mutig weitere Schritte, wir gehen mit und machen seine Arbeit durch diesen Film sichtbar. „Nichts über uns ohne uns“, erklärt Robert. Das bedeutet vor allem, Menschen mit Behinderung zu integrieren und nicht zu bevormunden. „Wir sind nicht schwach. Wir sind nur anders“, so Robert. Man merkt ihm die Behinderung durch die Gehörlosigkeit auf den ersten Blick gar nicht an. Man stößt eher an eigene Grenzen, weil man plötzlich bemerkt, dass man Roberts Sprache nicht beherrscht. Der Film soll ihm eine Stimme verleihen. Robert ‚redet‘ und sein Herz spricht dabei mit. Die Frage ist nur: Wer hört ihm zu? Wir haben zugehört und dabei sehr viel gewonnen 😉

WER HILFT MIT?

Wir hoffen, dass dieser Film viele Herzen berühren und Robert viele Mitstreiter sowie Unterstützer für sein wertvolles Projekt in Nordkorea finden wird. Beispielsweise benötigt Robert ganz dringend eine Arbeitsassistenz. Aber auch jede andere Hilfe ist willkommen.
Am Ende des langen Tages bleibt nur eines übrig: DANKE zu sagen. Danke an Robert! Horizonterweiterung pur, beeindruckende Begegnungen und ein toller Dreh. Meine vielen Notizen helfen mir diesen Bericht zu schreiben. Jetzt ist das Kamerateam dran – auch sie müssen aus vielen kleinen und großen Szenen, Bild- und Tonaufnahmen eine Geschichte zusammenstellen. Demnächst hier auf „ART des Lebens“.

Robert R. Grund, gehörloser Vertretungsperson des Weltverbandes der Gehörlosen und Projektleiter von der Behindertenselbstvertretungsorganisation „ZUSAMMEN-Hamhung e.V.“, mehr über seine Arbeit: www.together-hamhung.org

WEITERE BEITRÄGE